Ratgeber Aquaristik

Ratgeber Aquaristik

 

Inhaltsverzeichnis

 

1. Einrichtung eines Aquariums

1.1 Das Aquarium

1.2 Bodengrund und Dekoration

1.3 Technik

1.4 Wasser

1.5 Pflanzen

1.6 Einfahrphase

1.7 Pflegearbeiten

 

Das Beobachten eines Aquariums lässt Sie abtauchen in die faszinierende Unterwasserwelt. Der phantastische Reichtum an Farben und Formen, das bunte Treiben und die geheimnisvolle Schönheit lenkt vom Alltag ab. Jedes Aquarium, ob groß oder klein, ist ein biologisches System, dessen einzelnen Faktoren untrennbar miteinander verbunden sind. Damit sich Ihre Fische wohlfühlen und die Aquarienpflanzen prächtig gedeihen, sollten Sie beim Einrichten auf einige Dinge achten.

 

1.1 Das Aquarium

Bei der Formwahl des Aquariums sind Ihrer Fantasie kaum Grenzen gesetzt. Es gibt drei-, sechs- und achteckige Aquarien sowie Einzelanfertigungen (z.B. mit gebogener Panorama-Frontscheibe). Auch auf ihre Zweckbestimmung können sich Aquarien in vielerlei Hinsicht voneinander unterscheiden.

Gesellschaftsaquarium: Für Einsteiger ist diese Form des tropischen Süßwasseraquariums besonders zu empfehlen. Unterschiedliche Fischarten und verschiedenartige Pflanzen werden hier gemeinsam gehalten. Dabei gibt es zu berücksichtigen, dass nicht nur das soziale Verhältnis zueinander passt, sondern auch die Ansprüche an Wasserbeschaffenheit, Wassertemperatur und Aquarieneinrichtung übereinstimmen.

Artaquarium: Bei dieser Form wird nur eine Fischart im Aquarium gehalten. Artaquarien dienen dazu, die Haltungsbedingungen genau auf die Bedürfnisse der darin gehaltenen Tiere abzustimmen. Häufig wird auch die Zucht der Art angestrebt.

Biotopaquarium: Als Biotopaquarium bezeichnet man Aquarien, in denen ein in der freien Natur vorkommender Lebensraum möglichst exakt nachgebildet wird. Gepflegt werden dabei Fische, Pflanzen und Wirbellose, deren Lebensräume sich auch in der freien Natur überschneiden.

Zuchtaquarium: Meist nur für Spezialisten. Diese Aquarien sind optisch oft nicht sehr ansprechend, denn ihr alleiniger Zweck sind Zuchterfolge.

Aquarien Komplett-Sets: Hier ist alles enthalten, was man für sein erstes Aquarium benötigt. Einfache Bedienung, ausgereifte Technik, modernes Design. Um ein Gesellschafts-Aquarium einzurichten, benötigen Sie nur noch den Besatz, Pflanzen, Bodengrund, Deko und Pflegemittel. Schon kann es losgehen!

 

Haben Sie sich für eine Aquarienart entschieden, dann sollten Sie sich Gedanken über die Beckengröße, den Standort und die Einrichtung machen. 

 

Beckengröße: Die Größe des Aquariums hängt lediglich vom verfügbaren Platz und von der Art der Fische ab. Allgemein gilt, dass in einem großen Aquarium die Lebensbedingungen stabiler bleiben. Ein größeres Wasservolumen verzeiht Pflegefehler eher als ein kleines Becken. Wir empfehlen Ihnen für den Anfang ein Aquarium von mindestens 60, besser 80 cm Länge.

Standort: Ein Aquarium sollte an seinem Platz so wenig Sonne wie möglich abbekommen, dies kann zu hässlichem Algenwuchs und Übererwärmung führen. In einer dunklen Ecke des Raumes kommt ein Aquarium optisch besser zur Geltung. Beachten Sie bei der Wahl des Standorts auf die Tragefähigkeit des Bodens und des Unterschranks. Ein nachträgliches Versetzen des eingerichteten, befüllten Aquariums ist aufgrund des Gewichts schwierig. Weiterhin sollte am künftigen Standort ein Stromanschluss in der Nähe sein.

 

1.2 Bodengrund und Dekoration

 

Wenn Sie Ihr neues Aquarium am endgültigen Standort aufgestellt haben, waschen Sie es gründlich mit handwarmem Wasser und einem festen Lappen oder Schwamm aus. Die Scheiben sollten auf keinen Fall mit Reinigungs- oder Spülmittel gesäubert werden! Danach wird als Erstes der Bodengrund eingefüllt. Er bildet die Grundlage für eine erfolgreiche Pflege von Fisch und Pflanzen. Befüllen Sie das Aquarium zuerst max. 2 cm hoch mit einer gebrauchsfertigen Nährbodenmischung. Es enthält wertvolle Mineralien und Spurenelemente und erleichtert das Anwachsen der Pflanzen. Über den Nährboden kommt eine 5 cm hohe Schicht frisch gewaschener Kies mit einer Körnung von 2-3 mm. Aus optischen und praktischen Gründen sollte der Bodengrund so angelegt werden, dass er nach hinten leicht ansteigt.

 

Gestalten Sie für Ihre Fische eine faszinierende Unterwasserwelt, die ihren Ansprüchen gerecht wird. Schaffen Sie Verstecke mit geeigneten Steinen, Wurzeln und Höhlen, die den Fischen auch als natürliche Reviergrenzen dienen. Dekorationen sollten jedoch sparsam eingesetzt werden, damit die Fische noch ausreichend Schwimmraum haben.

 

1.3 Technik

 

Die wichtigsten technischen Einrichtungen sind die Beleuchtung, Heizung und Innenfilter oder Außenfilter. Schließlich gilt es, den tropischen Pflanzen und Fischen artgerechte Bedingungen zu bieten.

Beleuchtung: Die künstliche Beleuchtung des Aquariums ist unerlässlich. Sie lässt nicht nur die Fische im ihrer vollen natürlichen Farbenpracht erscheinen, sondern beeinflusst auch entscheidend das Wachstum der Pflanzen. Die meisten Wasserpflanzen gedeihen am besten, wenn die Beleuchtung täglich 10 bis 12 Stunden am Tag eingeschaltet ist. Für einen regelmäßigen Zyklus sollte am besten eine Zeitschaltuhr sorgen.

Heizung: Tropische Aquarienfische benötigen tropische Wassertemperaturen meist von ca. 24 bis 27 Grad. Daher brauchen Sie für Ihr Aquarium einen Heizer, mit dem Sie Ihren Fischen die richtige "Betriebstemperatur" bieten. Die Stabheizer sind klein, unauffällig, dabei aber gleichzeitig leistungsstark und sicher. Der Aquariumheizer muss so im Aquarium angebracht werden, dass er gut vom Wasser umspült wird und das Wasser gleichmäßig erwärmt.

Filter: Um auf Dauer ein funktionierendes Aquarium betreiben zu können, ist eine permanente Filterung notwendig. Dabei ist die Entfernung von trüben Schwebstoffen und damit ein schön klares Aquariumwasser eher ein willkommener Nebeneffekt. Hauptaufgabe ist nicht die reine mechanische Filterung, sondern der Ab- und Umbau im Wasser unsichtbar gelöster Schadstoffe auf bakteriellem Weg. Durch die Filterbakterien, die sich im Filtersubstrat ansiedeln, werden die schädlichen Ausscheidungen der Fische biologisch abgebaut.

Sie sollten wissen, dass es Innen- und Außenfilter gibt. Innenfilter befinden sich im Aquarium. Das hat den Vorteil, dass keine wasserführenden Schläuche, die eventuell undicht werden können, außerhalb des Aquariums verlaufen. Allerdings stellt die regelmäßig erforderliche Reinigung einen Eingriff in das Aquarium dar.

Für größere Aquarien empfehlen wir Ihnen einen Außenfilter. Der Filter kann bequem unter oder hinter dem Aquarium angebracht werden. Im Aquarium selbst befindet sich nur der weniger störende Zu- und Ablaufschlauch. Gegenüber einem Innenfilter steht auch ein größeres Volumen für Filtermassen zur Verfügung.

Von Zeit zu Zeit ist es nötig, die Filtermasse Ihres Filters zu reinigen. Wenn eine solche Reinigung erforderlich ist, erkennen Sie es am stark reduzierten Wasserstrom am Filterauslauf. Entnehmen Sie die Filtermedien aus dem Filter und spülen diese unter lauwarmem Wasser aus. Achten Sie jedoch darauf, den Filter nicht allzu gründlich auszuwaschen, da anderenfalls die „guten“ Bakterien, die Kot und andere Verunreinigungen zersetzen, mit ausgewaschen werden. Verwenden Sie kein heißes Wasser oder Reinigungsmittel.

Membranpumpe: Auch Sauerstoff ist im Aquarium für Fische und niedere Meerestiere lebensnotwendig, denn sie haben keine CO2-Atmung. Membranpumpen stellen eine zuverlässige Luftquelle für den Betrieb von Gegenständen wie Ausströmersteine, auch Sprudelsteine genannt, luftbetriebenen Ornamenten oder zur Erzeugung zusätzlicher Bewegung oder Hinzufügung von Sauerstoff in jedem Aquarium dar.

Als nützliche Utensilien zur Pflege Ihrer künftigen kleinen Unterwasserwelt dienen Ihnen ein Mulmsauger, der gründlich den Mulm aus dem Aquariumkies entfernt, ein Scheibenreiniger, der lästige Algenbeläge von der Frontscheibe des Aquariums beseitigt, ein Fangnetz, das Ihnen beim Herausfangen von Fischen gute Dienste leistet sowie ein Futterautomat, der zuverlässig die Fütterung Ihrer Aquariumfische übernimmt.

 

1.4 Wasser

Das Wasser im Aquarium ist für die Fische und Pflanzen das Lebenselement. Einerseits hat das Wasser und die Wasserbeschaffenheit Einfluss auf den darin lebenden Besatz, andererseits können die Lebensvorgänge dieser Fische und Pflanzen wieder auf die Qualität des Wassers einwirken. Deshalb sind optimale Wasserverhältnisse genauso wichtig wie die artgerechte Ernährung. Trinkwasser eignet sich ohne fischgerechte Aufbereitung nicht als Aquariumwasser. Dies können Sie sicher und zuverlässig nur durch Hinzufügen von Aufbereitungsmitteln erreichen. Die Wasseraufbereitungsmittel binden dauerhaft Schwermetalle und eliminieren Chlor.

Befüllen Sie Ihr Aquariumbecken eimerweise mit handwarmem Wasser, bis es zu 2/3 voll ist. Damit das Wasser den Kies und den Unterbodengrund nicht aufwirbelt, legen Sie zuerst einen Teller auf den Kies. Geben Sie den Wasseraufbereiter in das Wasser, damit es fisch- und pflanzengerecht aufbereitet wird.

 

1.5 Pflanzen

Vor dem Einsetzen sollten die Wurzelspitzen leicht gekürzt und beschädigte Blätter von den Pflanzen entfernt werden. Hohe Pflanzen werden zur Rückwand hin, niedrige in die Mitte und nach vorne gepflanzt. Drücken Sie die Wurzeln vorsichtig bis zum Wurzelhals in den Bodengrund. Nun können Sie das Aquarium füllen und die Technik in Betrieb nehmen. Düngen Sie Ihre Wasserpflanzen mit einem Pflanzenpflegemittel, um prächtige, sattgrüne Pflanzen zu erzielen.

 

1.6 Einfahrphase

Bevor Sie Ihr Aquarium mit Fischen besetzen, braucht es die sogenannte 14-tägige "Einfahrphase". Während dieser Zeit wird das Aquarium "biologisch aktiv". Filterbakterien siedeln sich an und vermehren sich. Ohne eine ausreichende Anzahl von derartigen Mikroorganismen würde sich im Aquarium kein fisch- und pflanzengerechtes biologisches Gleichgewicht einstellen.

Nach der Einfahrphase und bevor die Fische in das Becken kommen, sollte die Wasserqualität des Aquariums mit Wassertests überprüft werden. Nur wenn die Wasserqualität stimmt, fühlen sich Ihre Fische wohl. Folgende Wasserwerte sollten Sie kennen und regelmäßig überprüfen: Gesamthärte (GH), Karbonathärte (KH), Säuregrad (pH-Wert), Ammoniak, Nitrit und Nitrat.

 

1.7 Pflegearbeiten

Nachdem man als Anfänger erfahrungsgemäß eher geneigt ist, "des Guten zu viel zu tun", möchten wir Ihnen in einer kurzen Übersicht das gesunde Maß der Pflegearbeiten vorstellen:

Täglich:

An erster Stelle steht hier natürlich die Fütterung der Fische. Fische haben nicht nur ausgeprägte Geschmacksnerven, sondern auch unterschiedliche Ansprüche. Aus diesem Grund gibt es jede Menge Abwechslung und Spezialfutter. Begehen Sie jedoch nicht den Fehler zu oft und zu viel zu füttern. Hilfreich ist auch ein Futterautomat, bei dem sich das Futtervolumen flexibel einstellen lässt.

Gleichzeitig zur Fütterung nutzen Sie die Gelegenheit, alle Fische auf eventuelle Schäden, Parasitenbefall oder Unverträglichkeiten zu beobachten.

Ein Blick auf Temperatur und sonstige Geräte sollte Sie von deren einwandfreier Funktion überzeugen.

Alle 2 Wochen:

Die wichtigste Pflegemaßnahme ist ein Teilwasserwechsel verbunden mit einer Nachdüngung der Aquarienpflanzen. Entnehmen Sie max. 30 % des Aquariumwassers und tauschen es gegen temperiertes Leitungswasser aus. Saugen Sie dabei auch gleich im Sichtbereich herumliegenden Mulm vorsichtig ab. Entfernen Sie abgestorbene Pflanzenblätter und korrigieren Sie den Pflanzenwuchs.

Falls die Auslaufleistung des Filters stark nachgelassen hat, ist die Filtermasse, wie unter Punkt 1.3 Filter beschrieben, zu reinigen.

Entsprechend der Frischwassermenge wird Wasseraufbereiter und Dünger zugesetzt.

Bei Bedarf:

Reinigen Sie die Innenseite der einsehbaren Aquarienscheiben von unschönen Algenbelegen mit einem Scheibenreiniger. Auch außen hält eine gelegentliche Reinigung den Blick auf die Fische frei. Verwenden Sie hierfür keine Putz- oder Reinigungsmittel!

Hin und wieder sollten auch die Wasserwerte getestet werden. Wassertests geben Sicherheit und helfen dabei, frühzeitig Störungen zu erkennen und Schäden abzuwenden.

 

Und nun wünschen wir Ihnen viel Spaß und faszinierende, fischige Stunden mit Ihrem neuen Aquarium.